zu 1)
Im schulischen Bereich werden vor allem drei Typen von Portfolios unterschieden, deren Schwerpunkte in der Dokumentation des Lernens, der Beurteilung und der Präsentation liegen.
Portfolios haben ihren lernpsychologischen Hintergrund im Konstruktivismus.
Ein Portfolio ist eine Sammlung von Arbeitsprodukten, deren Auswahl unter konkreten Gesichtspunkten erfolgt. Es findet eine kontinuierliche Reflexion dieser Produkte wie auch des Prozesses, in dem sie erstellt wurden, statt.
Ziele: Bewusstes, aktives Lernen, Entwicklung von Selbstreflexion, Verantwortung für den eigenen Lernprozess, attrakive Produkte
Schlagwörter: Eigenaktivität, Eigenverantwortlichkeit, Lernerautonomie, Motivation, Selbständigkeit, Kreativität, das Lernen lernen..
Diese stellen – zumindest in einem Mindestmaß - sowohl Voraussetzungen als auch Ziele eines Portfolios dar.
Das “typische” Verhältnis zwischen Lernenden und Lehrenden verschiebt sich in Richtung eines Dialogs.
Lehrenden bietet sich auf diese Weise die Gelegenheit, die Lernprozesse intensiver zu beobachten. Auf der Grundlage dieser Beobachtungen können sie ggf. auf unvorhergesehene Schwierigkeiten reagieren und weiteres Lernen planen. Selbstverständlich stehen sie auch beratend und unterstützend zur Seite. Nach und nach - mit dem Wachsen der erforderlichen Fähigkeiten – werden die Lern- und Arbeitsprozesse mehr und mehr von der Seite der Lernenden übernommen.
Die Rolle der Lernenden erfordert einerseits vermehrte Eigenaktivität, Verantwortung für das eigene Lernen sowie die Fähigkeit, zur Selbstbeurteilung (nebst -kritik..), andererseits werden diese Fähigkeiten während der Portfolio-Arbeit gefördert. Hier ist es als Lehrende wichig einzuschätzen, welches Maß bereits am Anfang vorausgesetzt werden kann.
Portfolio-Arbeit setzt eine intensive Arbeit im Vorfeld voraus: Ziele, Darstellungsmöglichkeiten, Arbeitsformen, Umfang und Zeit, inhaltliche wie auch methodische Erwartungen, sowie ggf. Bewertungskriterien müssen von Lehrenden (evtl. auch gemeinsam) aufgestellt und bewusst gemacht werden.
Für den Anfang bietet es sich an zunächst einzelne Elemente auszuwählen. Dabei spielt es sicherlich eine Rolle, inwieweit den LErnenden Lernformen mit verstärkter Handlungsaktivität bereits vertraut sind.
zu 2)
Eine sehr herausfordernde und anspruchsvolle Art und Weise, Unterricht zu gestalten. Sie erfordert von beiden Seiten Experimentierfreude und Engagement. Bei einer guten Planung und angemessener Durchführung werden diese aber sicherlich auch gefördert.
Förderung von Lern- und Arbeitsweisen von hoher Qualität.
Die während der Portfolio-Arbeit geförderten Eigenschaften stellen sowohl eine individuelle Bereicherung als auch eine Grundlage für “moderne” Anforderungen in Ausbildung und Beruf.
zu 3)
Die Lernenden haben die Möglichkeit, ihre eigenen Interessen in die eigene Arbeit integrieren zu können. (DIes also bei der Aufgabenstellung beachten…)
Portfolios können für eine breite Palette von Inhalten erstellt werden und sind zudem für die Integration vielfältiger Unterrichtsmethoden offen. Auch die Voraussetzungen der Lernenden bezüglich der Anforderungen (s. Schlagwörter in PUnkt 1) können durch den Grad der an sie gestellten Selbständigkeit berücksichtigt werden.
Die Differenzierung erfolgt auf ganz natürliche Weise und ist in unterschiedlichen Bereichen möglich (Inhalt, Methode, Umfang, Selbständigkeit).
Und natürlich die in Punkt 2 genannte hohe Qualität des Lern-/Arbeitsprozesses.
zu 4)
- Lernende und Lehrende sollten von dem Sinn der Methode überzeugt sein, bzw. neugierig darauf sein, sie selbst zu erproben. Gerade an Sprachschulen erwarten die Lerner – vor allem der Grund- und Mittelstufe - möglichst schnell „im Stoff“ voranzuschreiten.
- Über welches sprachliche Niveau sollte bereits verfügt werden?
- Die Arbeit an einem Portfolio so vorzubereiten, dass sie tatsächlich den Grundzügen des Konstruktionismus möglichst nahe kommt.
- Energie, Anstrengung, Selbstdisziplin, Eigeninitiative über die gesamte Phase hinweg aufrechterhalten.
– Kann mir vorstellen, dass dazu – zumindest bei den ersten Versuchen – gemeinsame Zwischenreflexionen (einzelne Lernende/Lehrende oder innerhalb der gesamten Gruppe) notwendig sind.
- Die Zusammenstellung einer sinnvollen Sammlung/Auswahl: Was geschieht mit den aussortierten Arbeiten? In einem „anderen Ordner“ sammeln? Halte das für sinnvoll, vor allem so lange, bis die Portfolio-Arbeit abgeschlossen ist.
- Platz für eigene Wege – gemeinsam gesetztes Ziel: konfliktträchtig?
- Und nicht zuletzt: Der hohe Zeitaufwand während der Vorbereitung und Durchführung. Ich denke, es ist notwendig, den Zeitpunkt gut mit anderen Verpflichtungen abzustimmen.
- Ob und wie bewertet werden sollte, ist sicherlich von Portfolio zu Portfolio abzuwägen. Scheint mir ein komplexes Thema zu sein..
- Die Integration in den Unterricht im bestehenden Schulsystem:. Inwiefern könnte der Zeitaufwand – vor allem während der ersten Versuche – ein Hindernis darstellen? Welche Möglichkeiten gibt es?
- Und wenn sich Lernende absolut nicht selbst einschätzen können, sie Schwierigkeiten mit Kritik an sich selbst haben? Letztendlich muss ja auch doch die Kritik anderer akzeptiert werden. Was, wenn Lernende die Selbstreflexion dann als Farce betrachten…
zu 5)
Und siehe da, sobald es um die eigene Praxis geht, stehe ich bereits hilflos da: Ich arbeite an einer Sprachschule. Meine derzeitigen Kurse sind allesamt Grundstufe. Im A2-Kurs sind die Kursteilnehmer sehr kreativ bei freien Sprech- und Schreibanlässen. Ob es sich im Rahmen eines Portfolios verwirklichen ließe, diese unter Verwendung von Hilfestellungen zur Eigenkorrektur weitgehend selbständig zu überarbeiten?